Tuesday, February 20, 2007

Ein weiterer Anfang

Eine lange Zeit ist vergangen in der ich viele Emails von Euch bekommen habe und ihr mich gefragt habt, wie es mir hier unten wohl ergeht. Was ich mache und wie mein Tag momentan aussieht. Einigen von Euch konnte ich antworten, in kurzen knappen Sätzen, bei den meisten war es mir jedoch nicht möglich. Warum fragt ihr Euch sicherlich zu Recht. Ich saß häufig vor meinem Computer und wollte aufschreiben was mir widerfahren ist. Es war mir jedoch nicht vergönnt, zu viele Fragen waren offen und ungeklärt, so viele Dinge hatten sich noch nicht eingespielt und wo sollte ich da mittendrin anfangen zu erzählen? Sicherlich wäre allein dies schon eine Geschichte wert gewesen, doch kam ich nicht dazu…
Ich muss gestehen, dass im Vergleich zu meinem Aufenthalt in Australien mir der Anfang ein wenig schwerer fiel. Nicht nur der kurze Aufenthalt in Deutschland und das schnelle “Hallo” und “Tschüß” haben dazu beigetragen sondern auch die Bedingungen hier unten vor Ort.

Um es aber allem erst einmal vorweg zu nehmen, so kann ich ehrlich sagen, dass es mir hier unten sehr gut geht und ich mich so langsam eingewöhne. Wie soll es auch anders sein? Bei 25 Grad, Sonnenschein und einem schicken Strand in nicht allzu weiter Ferne. Aber auch hier scheint nicht immer die Sonne sondern neben Regenschauern (hin und wieder) gibt es auch Unterschiede zu unserem Leben in Deutschland. Ich wohne in Bellville, einem Vorort von Kapstadt, und benötige ca. 5 Auotminuten zur Uni bzw. 30 Minuten in die Stadt und seinem faszinierenden Tafelberg. Das Haus in dem ich wohne gehört einer Frau Anfang 50, die aufgrund von Diabetes und anderer (angeblicher Krankheiten) nicht arbeiten kann und dafür zu Hause bleiben und Sportkanal schauen muss. Um sich ein wenig den Lebensunterhalt zu verdienen vermietet sie Zimmer an Studenten für einen vergleichsweise horrenden Preis. Sie ist ein Kapmischling bzw. Coloured und musste während der Apartheid in dieses Viertel umziehen, da es für Coloured People reserviert war. Auch heute noch ässt sich diese Struktur erkennen, denn auf der Strasse trifft man eher Mischlinge als schwarze Südafrikaner. Die ersten Wochen hatte ich leider noch kein Auto, so dass ich zu Fuß bzw. mit Minibussen unterwegs war. Der südafrikanische Minibuss ähnelt ganz stark dem ghanaischen Trotro, lediglich mit dem Unterschied, das die Busse hier wesentlich neuer sind, dicke Schlappen mit glänzende Alu-Felgen drauf haben und ein Soundsystem installiert ist, mit welchem man eine ganze Großraumdisko beschallen kann. Leider sind sie jedoch nicht minder gefährlich wie ihr Pendant in Ghana, so dass von einer regelmäßigen Benutzung abzusehen ist. Des Weiteren birgen diese Busse auch die unglaubliche Gemeinheit, dass man nie sicher sein kann ob man auch da ankommt wo man hin will. Erst während der Fahrt erfährt der ortsunkundige Passagier, dass er im falschen Bus gelandet ist, denn der südafrikanische Fahrer knickt lediglich zustimmungsvoll bei jedem vorherigen erfragen des Zielortes und lässt dich einsteigen und bezahlen. Blöd wird es dann nur wenn einem das passiert was mir widerfahren ist. Als ich eigentlich nach Kapstadt wollte, landete ich 15 Minuten später in einem Township in dem ich sicherlich nicht aussteigen wollte. Gezwungenermaßen blieb mir jedoch nichts anderes übrig, so dass ich mit den Blicken der Bewohner auf mich gerichtet in den nächsten Minibuss rein bin, der mich dann nach kostenloser 45 minütiger Rundfahrt durch das Township, auf der Suche nach Fahrgästen, in Kapstadt sicher wieder rausgeschmissen hat.
Es ist mir an sich nichts passiert, aber was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass die Situation hier in Südafrika eine andere ist als in Ghana. Ich fühle mich nicht so sicher wie in Westafrika. Ich kann noch nicht sagen woran es liegt, ob es die Geschichten sind die man hier ständig vernimmt oder die Hinwiese und Ratschläge die man an jeder Ecke bekommt. Ich möchte hier nicht in den Kanon „Südafrika ist höchst gefährlich und pass ja an jeder Ecke auf“ einstimmen sondern ich fühle mich hier schon als freier Mensch, doch um das zu ermöglichen, so habe ich das Gefühl, sind ein paar Dinge mehr erforderlich als bei uns zu Hause. Ein Auto gehört sicherlich zu den wichtigsten Utensilien, denn hier sind nicht nur die Wege zu lang um sie zu Fuß zu meistern, sondern auch um nicht abends nach Sonnenuntergang zu Hause eingesperrt zu sein. Mein Haus in dem ich wohne liegt in einer recht großen Siedlung, in der man tagsüber sicherlich ohne Probleme zu Fuß unterwegs sein kann, doch abends ist das sicherlich anders. Ohne Auto war ich die ersten Tage abends zu Hause „eingesperrt“ und konnte außer lesen und früh schlafen gehen nichts unternehmen. Mittlerweile habe ich ein Auto gefunden und kann mich nun freier bewegen. Doch auch ein Auto zu finden ohne eins zu besitzen, in einer riesigen Stadt ohne ausreichende öffentliche Verkehrsmittel, ist nicht ganz einfach. Zum Glück hat eine norwegische Austauschstudentin ein Mietauto mit dem sie mir weiterhelfen konnte.
Des Weiteren ist da noch die Lage der Universität und meines Hauses. In Bellville und Umgebung ist nicht viel vorhanden. Hauptsächlich Industrie und Wohnhaussiedlungen die einem Studenten nicht sehr viel bieten. Der Campus jedoch ist fantastisch wie ich finde. Er ist sehr groß und bietet eine Fülle an Möglichkeiten, insbesondere wenn man Sport mag. Neben neuen Universitätsgebäuden mit kleinen Klassen, befindet sich noch ein eigenes Stadium mit Rundlaufbahn, Fitnessstudio, Tennisplätze, 4km Crossstrecke sowie ein Swimming Pool mit einem 10x50m Becken. Das schöne dabei ist: Es ist alles frei benutzbar und fast immer zugänglich. Ein Luxus den ich wirklich zu schätzen weiß. Des Weiteren befinden sich dann noch Unterkünfte für Studenten und eine kleine Bar, welche hauptsächlich an den Wochenende hoch frequentiert ist.
Alles in allem eine sehr schöne Atmosphäre, die einlädt neue und interessante Menschen kennen zu lernen sowie neben dem lernen Sport zu treiben. Abseits des Campus sind jedoch die Möglichkeiten ebenfalls beschränkt, so dass viele internationale Studenten es lieber vorziehen nach Kapstadt umzuziehen, um dann jeden Tag an die Uni zu fahren. Ich habe mich noch nicht entschieden was ich tun werde, denn ich will es davon abhängig machen wie häufig ich an der Uni präsent sein muss. Jeden Tag die Fahrt auf sich zu nehmen ist zum einen kostspielig sowie auch recht stressig, denn der kapstädtische Berufsverkehr ist nicht ganz ohne.

Und so verbringe ich meine Zeit hauptsächlich noch mit anderen internationalen Studenten aus Norwegen, Holland und Deutschland. Wir kämpfen uns gemeinsam durch den administrativen Dschungel der Uni und abends beim kochen erzaehlen wir uns dann die Kuriositaeten des Tages, an denen es hier definitiv nicht mangelt.
Viel habe ich leider noch nicht von Kapstadt gesehen, doch einen ersten Überblick von der Stadt und dem Kap konnte ich mir schon verschaffen. Um es in kurzen Worten zu sagen: Sagenhaft schön und gleichzeitig extrem ernüchternd.

Dazu jedoch das nächste Mal mehr. Ich hoffe ich konnte Euch einen ersten kleinen Einblick in mein Leben hier unten verschaffen und freue mich über jede Mail, jeden Kommentar (lässt sich am Ende dieses Berichtes schreiben) und jeden Anruf den ich bekomme.

Euer Sebastian

5 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Hey Sebastian,

das hört sich alles nach einem ganz schönen Durcheinander der Eindrücke, Gefühle und Stimmungen an. Kann ich gut verstehen, wenn man mal dein letztes Jahr so betrachtet. Also das wird sicher noch. Und wenn du viel rumreist, dann mach auch wieder Fotos, die wir uns bei einer Runde Toffifee und einem Glas Rotwein dann bei mir in Hamburg auf dem Balkon ansehen können (vielleicht auch mal bei Plus-Graden :-) )!
Also pass auf jeden Fall auf dich auf! Alles Liebe aus der Heimat!
Ulli

6:30 PM  
Anonymous Anonymous said...

hallo basti,

schön wieder von dir zu hören. hab schon mit spannung auf dein blog gewartet. hat mir heute auch etwas zeit zwischen dem lernen vertrieben! bis die tage makro, intern. rechnungslegung, jahresabschluss2 und controlling sind noch, daher ...

bis die tage, dein sven t. aus b and s im studiengang w`pad an der hu.

7:32 PM  
Blogger tiu said...

HI Seb!
I have no idea what you are writing here in German but I am so so sure You like this place a lot! :) I still miss Capetown so much, the spirit, the positive energy, lively people and smiles what you never forget. I only understood from your blog: township, swimming pool amd Zimmer (as it similar in Estonian language).
Take care there and if you have time, go and give a hug to my friend Zainab, she works - opposite to Spar, there is EMG office (Nuttal street 10).
Hugs!
Tiiu

2:38 PM  
Anonymous Anonymous said...

Ein wilder Gruß aus der Ferne, ein Stück heißer Käsekuchen und die Hoffnung, dass diese Nachricht Dir ein Lächeln auf die Lippen zaubert, Sebastian.

Diane H. R. R.

4:19 PM  
Anonymous Anonymous said...

Hallo mein Guter,

ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Studium in Kapstadt und pass natürlich auch auf dich auf ;-). Übrigens habe ich mich in Westafrika auch sicher gefühlt.

ciao
Georg

6:17 PM  

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