Monday, March 12, 2007

Die Form kommt mit der Tour

Vor ein paar Jahren, kurz vor Beginn der Tour de France, hatte Jan Ullrich einmal auf die Frage hin ob er nicht zu viele Kilos auf den Rippen hätte und überhaupt richtig in Form sei, geantwortet: Die Form kommt mit der Tour!
Ich fand diesen Spruch schon immer super und habe ihn auch bei jeder Gelegenheit kundgetan. Dieses Wochenende jedoch traf er unweigerlich perfekt auf mich selber zu. Kapstadt veranstaltet einmal im März, um genau zu sein letzten Sonntag, das größte Radrennen der Welt. The Cape Argus Pick’n Pay Cycle Tour. Als Randnotiz nur schnell: Cape Argus ist eine der größten Tageszeitungen hier und Pick’n Pay eine Supermarktkette.
Unüberbotene 38.000 Fahrradfahrer machen sich auf den Weg die exakt 109 Kilometer durch das Kap der Guten Hoffnungen zu bewältigen. Die Strecke führt von der Innenstadt über die Autobahn an den Indischen Ozean und von dort aus immer entlang am Rand des Kaps durch traumhaftschöne kleine verschlafene Ort an den Hängen der Kapberge und vorbei an Pinguinkolonien. Dann jedoch geht es landeinwärts über die ersten Berge hinüber auf die Atlantikseite, wo drei steile Anstiege und ein paar rasante Abfahrten auf den begeisterten Fahrradfahrer warten.

Ich hatte schon vor meinem Abflug von dem Rennen gehört, doch da die Veranstaltung so beliebt ist und sämtliche Plätze innerhalb von 19 Tagen vergeben waren, habe ich mich nicht weiter darum gekuemmert. Glücklicherweise habe ich zufällig dann doch der Homepage einen Besuch abgestattet und festgestellt, dass sich internationale Fahrer noch bis kurz vor dem Rennen anmelden duerfen. Dies hieß dann ja wohl ganz klar Bleistift gespitzt, Anmeldung abgeschickt und nach 7 Monaten mal wieder auf das Rad gesetzt. Dummerweise kam ich leider aufgrund von Erkältung und schlechtem Wetter nur zu einem einzigen Austritt über 60 Kilometer, so dass mein Motto hieß: Die Form kommt mit der Tour.

Um ehrlich zu sein hatte ich wahnsinnige Lust auf das Rennen, aber auch ein bisschen Muffensausen, denn ich bin die Strecke einige Wochen zuvor mit dem Auto abgefahren und wusste was mich da erwartet. Mit dem Vorsatz es ruhig angehen zu lassen und möglichst viele Verpflegungsstationen mitzunehmen habe ich mich dann am Sonntag um 5.30 aus dem Bett gequält und bin an den Start gegangen. Wer mich kennt weiß vermutlich schon was jetzt kommt: Die Vorsätze haben natürlich nicht lange gehalten. Als nach zwei Kilometern die ersten Jungs an mir vorbei flogen, konnte ich nicht widerstehen und bin hinterher. Aus den Jungs bildete sich eine Gruppe von ca. 6-10 Leuten und die hatte es in sich. Mit einem ordentlichen Schnitt sind wir dann die Autobahn runter und haben die Massen an anfeuernden Zuschauern an uns vorbei flitzen sehen. Unglaublich...
Das ganze Spielchen ging auch noch in den ersten Bergen ganz gut und ich konnte immerhin 70 Kilometer mithalten, doch dann hat es mir urplötzlich ganz kräftig die Schuhe ausgezogen. Die nächste und bis dahin erste Verpflegungsstation für mich, war zum Glück in greifbarer Nähe und die angrenzende Wiese auch gleich für mich reserviert. Nach kurzer Verschnaufpause und einigen Litern Powerrade ging es dann wieder und ich konnte mich an die eigentlichen Anstiege machen. Entweder war es mein Wasser oder schlechtes Essen was mich zum pausieren zwang, auf jeden Fall kam die Form wieder zurück und ich hatte meinen Spaß an den Bergen. Nach 109 Kilometer, Unmengen an Zuschauern, Straßenpartys an der Seite mit Kind und Kegel, Gogo-Tänzerin und diversen anderen Amüsements lag meine erste Cycle Tour nach knapp 4 Stunden hinter mir und ich war unendlich glücklich.

Mein Fazit: Ein unbedingtes Muss für jedermann wenn er im März in Kapstadt ist. Es macht vielleicht so gar noch ein bisschen mehr Spaß wenn man es wirklich ruhig angehen lässt. Dann hat man die Chance viele unglaublich lustige und interessante Menschen zu treffen, sich unterwegs massieren zu lassen und die sagenhaft schöne Landschaft zu genießen. Da ich dies vermutlich nie in meinem Leben schaffen bzw. durchhalten werde, klage ich an dieser Stelle auch nicht über meinen jetzigen Muskelkater.

Euer „Freizeit-Ulle“,

Seb

P.S.: Haette ich ja fast vergessen, der richtig "Ulle" ist ueberings auch mitgefahren. Er ist ein paar Gruppen vor mir gestartet, doch auch ohne seine Wunderpillen hatte ich keine Chance.



Kurz vor dem Start. Allein in meiner Startgruppe befanden sich ueber 800 Fahrer.

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Respekt Herr Böhm! und hin und wieder auch ein bißchen Neid... Du wirst uns in Danzig fehlen, wohin ich wohl doch nicht strampeln sondern bahnfahren werde. Grüß mir die Pinguine!

1:03 AM  

Post a Comment

<< Home