Nach dem ja mein letzter Eintrag in diesem Blog zugegebenermaßen etwas melancholisch war, so kann ich Euch beruhigen und auch schreiben das ich mich mittlerweile ganz gut eingelebt habe.
So langsam kommt hier in mein Leben als Austauschstudent Routine rein. Manch einer von Euch hat mich zu Beginn gefragt, ob ich denn die Uni schon von innen geschweige denn überhaupt gesehen hätte. Ich habe das Gefühl das Bild was über mich vorherrscht, dass bin ich auf einem Surfboard von morgens bis abends den Haien ausweichend und immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Ich sag mal: Stimmt auch fast!
Ich hatte mir vorgenommen neben dem surfen hier unten auch ein wenig zu studieren und einige Kurse zu belegen die zu Hause an der HU nicht angeboten werden. Leider ging der Plan jedoch nicht ganz auf, denn der Aufbau und die Struktur des Studiums bzw. des ganzen Bildungswesens ist nicht mit unserem zu vergleichen. Beginnen tut dies in der Oberstufe wo die Schüler die Möglichkeit haben ab der 10. Klasse Mathematik und andere Naturwissenschaften abzuwählen. Daraus resultiert eine absolut deutliche Wissenslücke wenn es dann im Studium an quantitative Probleme oder überhaupt um ein einfaches mathematisches Grundverständnis geht. Interessant fand ich es dann als ich mich mit meinem Mitbewohner aus Zimbabwe unterhalten habe und er sowie weitere Personen mir bestätigten, dass das Bildungswesen in „Zim“ wesentlich besser ist als das in Südafrika. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht...
Auch wenn das Land seit langem unter der Herrschaft des Herrn Mugabe („Bob“) leidet, die Menschen einer Inflationsrate von derzeit 1.700% gegenüber stehen, so scheint doch zumindest das Bildungswesen noch ein kleiner positiver Lichtblick am dunklen Horizont zu sein.
Zurück jedoch zum VWL Studium an der UWC. Der Schwerpunkt liegt hier in der Erlangung von rudimentären Grundkenntnissen im dreijährigen Bachelorstudiengang und dann im Anschluss, im Honors und Master Level, auf die Herausbildung des Schreibens von qualitativen wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei liegt häufig der Fokus auf politische Ökonomie und weniger auf quantitative Forschung. Ein Vergleich zwischen der HU und der UWC ist jedoch schwierig da beide Universitäten in andere Bildungssysteme integriert sind und sich an das entsprechende Niveau anpassen müssen. Des Weiteren kann ich auch nur für den Lehrstuhl VWL sprechen und nicht für die Universität im Ganzen.
Für mich resultieren daraus aber auch positive Erfahrungen, denn da ich Kurse im Master-Level besuche muss ich hier soviel schreiben wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ein Studentenalltag wie bei uns wo man das ganze Semester vertrödeln kann und dann in den letzten Wochen versucht alles aufzuholen ist nicht möglich. Ein Assignment jagt das Nächste und ich komme aus dem lesen von papern und schreiben von Essay’s gar nicht mehr raus. Eigentlich habe ich nur zwei Kurse - Development Economics an meiner Fakultät und „Conflict Studies“ an der School of Goverment - was an sich nicht viel ist, jedoch für mich der dem Schreiben in englischer Sprache nicht so mächtig ist eine ganze Menge.
Aber ich will mich auch nicht beschweren, denn abseits der Arbeit gibt es noch genug Zeit um stundenlang auf dem Campus mit den internationalen Studenten Cafe zu trinken oder am Wochenende wegzufahren. Leider bin ich noch nicht weiter als in die nähere Umgebung von Kapstadt gekommen, doch ich hoffe wenn das Semester hier Ende Mai zu Ende geht und die Exmans geschrieben sind, dass ich dann endlich ein wenig reisen kann.
Zum Schluss aber noch eine kleiner Hinweis bzw. eine statistische Zahl die mir zu denken gegeben hat und auch das Leben hier auf dem Campus widerspiegelt. Eine Organisation hat vor ein paar Tagen auf dem Campus Blutspenden gesammelt und mein Freund aus Zimbabwe hat sich mit den Mitarbeitern ein wenig unterhalten. Er wollte wissen wie ergiebig denn solch eine Spendenaktion ist und was mit dem Blut im Anschluss passiert. Daraufhin hat dann der nette Mensch von der Organisation durchblicken lassen wie viel Prozent der Blutkonserven der gesamten Spendenaktion auf dem Campus überhaupt verwendet werden können. Das Ergebnis fand ich schockierend: 65% der Spenden können aufgrund der Infizierung mit HIV/Aids oder diverser Geschlechtskrankheiten NICHT verwendet werden! Es bleiben nur 35% übrig...
Ich weiß leider nicht wie sich die Prozentzahl aufschlüsselt, gehe jedoch einmal davon aus das der größere Anteil auf Geschlechtskrankheiten zurück fällt. Was auch nicht unbegründet wäre, wenn man sich mal das Sexualleben der Studenten hier anguckt. Nicht das ich spannern würde, doch andere Studenten die auf dem Campus wohnen berichten von einem ständigen Aus und Ein in diversen Zimmern und die Zahl von über 5 Freundinnen zur gleichen Zeit ist bei den männlichen Studenten alles andere als ungewöhnlich, eher sogar noch zu gering.
P.S.: Die Rekordzahl die ich bis jetzt gehört habe gebührt einem Kommilitonen von mir und liegt bei unglaublichen 36 Frauen zur selben Zeit. Da stellt sich doch die Frage wie er das wohl gemacht hat? Ich verspreche Euch ich finde es noch raus bevor ich wegfliege....
In dem Sinne fröhliche Osterfeiertage,
Euer Sebastian