Wednesday, April 18, 2007

Der Campus – ein laufendes Erlebnis

Wir befinden uns auf dem Gelände der University of the Western Cape.

Es ist ein herrlicher Herbsttag in Kapstadt. Die Sonne schien wieder den ganzen Tag hindurch und die Temperaturen liegen auch am späten Nachmittag noch bei knapp über 20 Grad. Der junge Läufer steht vor einem halbrunden Schlauch aus Wellblech der den universitätseigenen Swimming Pool mit olympischen Dimensionen überdacht. Er schaut noch einmal auf seine Schuhe, prüft ob auch alles richtig verschnürt und fest sitzt, dann lächelt er in sich hinein und erfreut sich daran das er auch noch in solch einer Jahreszeit mit T-Shirt und kurzer Laufhose trainieren kann. Ein erster Blick auf die Pulsuhr bestätigt ihm eine gute Tagesform und lässt ihn langsam einrollen.

Seine Laufhose, mit ultra hohen Beinausschnitt für mehr Bewegungsfreiheit beim laufen, stößt auf kichern und lächeln bei dem einheimischen weiblichen Publikum. Gern dreht sich die ein oder andere aber auch so manch einmal der ein oder andere nach dem Läufer um. Dies alles bemerkt jener jedoch nur am Rande, denn schon naht der erste Anstieg. Einer von scheinbar tausenden von Geschwindigkeitsbegrenzungshügeln liegt vor ihm. Zu so früher Stunde ist dies noch eine leichte Übung, denn mit einem gekonnten Schritt kann das Hindernis spielend überwunden werden. Vorbei an den ersten Tennisplätzen und Residenzen kehrt er ein auf den Außenring des Campus. Wieder fällt der Blick auf die Uhr – schnell die Zeit gemerkt und Puls kontrolliert. Alles soweit im grünen Bereich.

Die Strasse führt vorbei an einer kleinen Kolonie von Tannen die den Duft eines ganzen Waldes versprühen. Mit diesem in der Nase und der Sonne im Gesicht schweifen die Gedanken dahin und der Läufer merkt erst Sekunden später das er mittlerweile rechts abgebogen ist und sich nun auf Höhe der Faculty of Education befindet. Dieser `60er Jahre Flachbau mit seinen für die Universität typischen braun-roten Backsteinen passt sich wunderbar ein in das Bild der ihn umgebenen Gebäude. Jene Gebäude, welche mit dem Zweck der Etablierung einer farbigen Mittelschicht durch das Apartheid-Regime errichtet wurden, um die weisse Regierung zu stärken und die Abgrenzung zwischen schwarz, indisch und farbig noch genauer hervor zu heben.

Schlicht, praktisch und immer gepflegt, so denkt sich der Läufer als er an ihr vorüber zieht. Doch es bleibt nicht viel Zeit über die politisch motivierten architektonischen Errungenschaften der 1960er Jahre in den Cape Flats von Kapstadt nachzudenken, denn schon wieder nahen zwei Geschwindigkeitsbegrenzungshügel, welche mit ein wenig Rücksicht auf die zu den Minibussen pilgernden Massen an Fußgängern einwandfrei gemeistert werden können. Dieses scheinbar für Afrika typische Fortbewegungsmittel ist auch in Südafrika das Rückgrat des öffentlichen Verkehrssystems und wird überwiegend von der ärmeren Bevölkerungsschicht benutzt.

Doch die Straße führt den Läufer geradewegs Richtung Haupteingang der Universität und mahnt ihn Schritt für Schritt mehr Vorsicht an den Tag zu legen. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sowie die unübertreffliche Rücksichtslosigkeit der Autofahrer gegenüber allem was nicht annähernd ihres gleichen entspricht lässt ein schwelgen in Gedanken nicht mehr zu. Abgase, der immer noch mit verbleitem Benzin fahrenden Autos verpesten die Luft und nötigen den Läufer die Geschwindigkeit zu erhöhen. Vorbei fliegt er an der gelblich-grauen Economics and Management Science Fakultät, dem Haupteingang mit seiner Studentshall und den prächtigen Säulen sowie an den Studenten, welche am Rand der Strasse auf ihre Reisebusse und Mitfahrgelegenheiten warten, die sie in die Außenresidenzen der Universität chauffieren. Gerade kann der Läufer noch einem Auto ausweichen, welches noch schnell vor ihm rechts abbiegen muss und dabei nur um haaresbreite seine Füße verfehlt.

Mit einem schockierenden Blick auf die Pulsuhr geht es nun weiter auf weichem Sandboden Richtung S-Bahnhof. Dabei lässt er es sich jedoch nicht nehmen und liefert sich mit den zum Zug sprintenden Studenten ein kleines Wettrennen. Schwer kann er dieses nur gewinnen. Zu groß der Ergeiz der Studenten den gerade einfahrenden Zug zu erwischen und es sich dann mit hunderten von anderen Gästen in der dritten Klasse gemütlich zu machen, während die erste Klasse mit vereinzelten weißen Passagieren vor Leere nur so gähnt.

Der Läufer biegt links ein, in eine wunderschöne Allee aus Laubbäumen und weichen sandigen Untergrund. Mit dem Gegröle aus der dritten Klasse im Ohr und einem Lächeln auf den Lippen führt ihn der Weg immer weiter Richtung Stadion. Dieses bietet alle Annehmlichkeiten welche sich ein Sportler nur wünschen kann, ist aber jedoch noch nicht die Endstation des Laufes. Der Kraftraum in dem es penetrant nach Männerschweiß riecht und die Jungs vom Rugby-Team ihre Muskeln stählen um sie an diversen Abenden in der Bar zu präsentieren, soll nicht Ziel des Ganzen sein, sondern die Laufrunde führt herum um das Stadion auf immer weicher werdenden Sandboden bis hin zu einem dünenartigen Gelände. Die Bäume an den Fußball- und Rugbyfeldern scheinen in der untergehenden Sonne in ihren herbstlichen Farben. Vereinzelt zweckentfremden Herren in deutlich höheren Semestern die Sportanlagen und feilen an ihren Abschlagtechniken beim Golfen. Schnell schallen auch noch ein paar auffordernde Rufe der Fußballspieler herüber jetzt noch nicht aufzugeben, doch im Angesicht der Schönheit des Momentes prallen diese lediglich ab.

Zu Schnell vergeht dieser Moment und der Läufer kehrt ein auf die graue Schotterstrasse welche ihn zurückführt in den Bereich der Residenzen, die die Namen von verstorbenen Anti-Apartheid Kämpfern tragen. Vorbei an Cecil Esau und Chris Hani – doch auch hier ist wieder Vorsicht geboten, denn es gilt nun für den Läufer: Keine Blamage in dieser Passage. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit das die Freunde seines Bekannten aus Namibia ihn sehen könnten. Nur äußerst ungern möchte er die schon einmal geäußerten Lobeshymnen beim nächsten Mittagessen verspielen, dass er vor ein paar Tagen beim laufen gesehen wurde und unglaublich gut und fit ausgesehen hat.

Der Schritt wird noch einmal länger. Vorbei an der Gender Equity Unit und weiteren Grünanlagen steuert der Läufer auf das Ende der Runde zu. Mit einem letzten Blick auf die Uhr – die ihm die neue Bestzeit bestätigt sowie einen Pulswert jenseits von Gut und Böse – geht es zurück zum Swimming Pool, vorbei an den Studenten mit ihren Abendessen in umweltschädlichen Styroporverpackungen aus der Mensa und den ersten Nachschwärmern auf ihrem Weg in die campuseigene Bar ‚The Barn’.

Der Name dieses Läufers? Er ist leider unbekannt. Doch von Zeit zu Zeit trifft man ihn auf dem Campus an und kann ihm zu schauen wie er beim laufen vorsichtig beobachtet.















Thursday, April 05, 2007

Bilder

Mein Auto!

Beim Sunset Concert im Botanical Garden "Kirstenbosch"


Mit den Bergen im Hintergrund. Traumhaft schoene Gaerten ueberings....

Mit Annegret (deutsche Austauschstudent) auf dem Weg Richtung Muizenberg am Indischen Ozean
Die Surfer von Muizenberg. Das Wasser ist sau kalt, aber immer noch besser als am Antlatik


Ein wenig weiter die Kueste entlang tollen sich auch diese kleine Freunde hier am Strand.

Erfreulicheres aus Afrika

Nach dem ja mein letzter Eintrag in diesem Blog zugegebenermaßen etwas melancholisch war, so kann ich Euch beruhigen und auch schreiben das ich mich mittlerweile ganz gut eingelebt habe.

So langsam kommt hier in mein Leben als Austauschstudent Routine rein. Manch einer von Euch hat mich zu Beginn gefragt, ob ich denn die Uni schon von innen geschweige denn überhaupt gesehen hätte. Ich habe das Gefühl das Bild was über mich vorherrscht, dass bin ich auf einem Surfboard von morgens bis abends den Haien ausweichend und immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Ich sag mal: Stimmt auch fast!

Ich hatte mir vorgenommen neben dem surfen hier unten auch ein wenig zu studieren und einige Kurse zu belegen die zu Hause an der HU nicht angeboten werden. Leider ging der Plan jedoch nicht ganz auf, denn der Aufbau und die Struktur des Studiums bzw. des ganzen Bildungswesens ist nicht mit unserem zu vergleichen. Beginnen tut dies in der Oberstufe wo die Schüler die Möglichkeit haben ab der 10. Klasse Mathematik und andere Naturwissenschaften abzuwählen. Daraus resultiert eine absolut deutliche Wissenslücke wenn es dann im Studium an quantitative Probleme oder überhaupt um ein einfaches mathematisches Grundverständnis geht. Interessant fand ich es dann als ich mich mit meinem Mitbewohner aus Zimbabwe unterhalten habe und er sowie weitere Personen mir bestätigten, dass das Bildungswesen in „Zim“ wesentlich besser ist als das in Südafrika. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht...

Auch wenn das Land seit langem unter der Herrschaft des Herrn Mugabe („Bob“) leidet, die Menschen einer Inflationsrate von derzeit 1.700% gegenüber stehen, so scheint doch zumindest das Bildungswesen noch ein kleiner positiver Lichtblick am dunklen Horizont zu sein.

Zurück jedoch zum VWL Studium an der UWC. Der Schwerpunkt liegt hier in der Erlangung von rudimentären Grundkenntnissen im dreijährigen Bachelorstudiengang und dann im Anschluss, im Honors und Master Level, auf die Herausbildung des Schreibens von qualitativen wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei liegt häufig der Fokus auf politische Ökonomie und weniger auf quantitative Forschung. Ein Vergleich zwischen der HU und der UWC ist jedoch schwierig da beide Universitäten in andere Bildungssysteme integriert sind und sich an das entsprechende Niveau anpassen müssen. Des Weiteren kann ich auch nur für den Lehrstuhl VWL sprechen und nicht für die Universität im Ganzen.

Für mich resultieren daraus aber auch positive Erfahrungen, denn da ich Kurse im Master-Level besuche muss ich hier soviel schreiben wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ein Studentenalltag wie bei uns wo man das ganze Semester vertrödeln kann und dann in den letzten Wochen versucht alles aufzuholen ist nicht möglich. Ein Assignment jagt das Nächste und ich komme aus dem lesen von papern und schreiben von Essay’s gar nicht mehr raus. Eigentlich habe ich nur zwei Kurse - Development Economics an meiner Fakultät und „Conflict Studies“ an der School of Goverment - was an sich nicht viel ist, jedoch für mich der dem Schreiben in englischer Sprache nicht so mächtig ist eine ganze Menge.

Aber ich will mich auch nicht beschweren, denn abseits der Arbeit gibt es noch genug Zeit um stundenlang auf dem Campus mit den internationalen Studenten Cafe zu trinken oder am Wochenende wegzufahren. Leider bin ich noch nicht weiter als in die nähere Umgebung von Kapstadt gekommen, doch ich hoffe wenn das Semester hier Ende Mai zu Ende geht und die Exmans geschrieben sind, dass ich dann endlich ein wenig reisen kann.


Zum Schluss aber noch eine kleiner Hinweis bzw. eine statistische Zahl die mir zu denken gegeben hat und auch das Leben hier auf dem Campus widerspiegelt. Eine Organisation hat vor ein paar Tagen auf dem Campus Blutspenden gesammelt und mein Freund aus Zimbabwe hat sich mit den Mitarbeitern ein wenig unterhalten. Er wollte wissen wie ergiebig denn solch eine Spendenaktion ist und was mit dem Blut im Anschluss passiert. Daraufhin hat dann der nette Mensch von der Organisation durchblicken lassen wie viel Prozent der Blutkonserven der gesamten Spendenaktion auf dem Campus überhaupt verwendet werden können. Das Ergebnis fand ich schockierend: 65% der Spenden können aufgrund der Infizierung mit HIV/Aids oder diverser Geschlechtskrankheiten NICHT verwendet werden! Es bleiben nur 35% übrig...

Ich weiß leider nicht wie sich die Prozentzahl aufschlüsselt, gehe jedoch einmal davon aus das der größere Anteil auf Geschlechtskrankheiten zurück fällt. Was auch nicht unbegründet wäre, wenn man sich mal das Sexualleben der Studenten hier anguckt. Nicht das ich spannern würde, doch andere Studenten die auf dem Campus wohnen berichten von einem ständigen Aus und Ein in diversen Zimmern und die Zahl von über 5 Freundinnen zur gleichen Zeit ist bei den männlichen Studenten alles andere als ungewöhnlich, eher sogar noch zu gering.

P.S.: Die Rekordzahl die ich bis jetzt gehört habe gebührt einem Kommilitonen von mir und liegt bei unglaublichen 36 Frauen zur selben Zeit. Da stellt sich doch die Frage wie er das wohl gemacht hat? Ich verspreche Euch ich finde es noch raus bevor ich wegfliege....

In dem Sinne fröhliche Osterfeiertage,

Euer Sebastian

Friday, March 16, 2007

Mikrokosmos Südafrika

Willkommen in einer scheinbar kleinen Welt inmitten eines riesigen Universums!

Ungefähr so fühlte ich mich als ich vor kanpp zwei Monaten nach Kapstadt kam bzw. genauer nach Bellville. Man merkt sehr schnell das Kapstadt nicht gleich Kapstadt ist. Das man keine Homogenität in der Struktur der Stadt, in der Gesellschaft und des täglichen Lebens finden wird. Man wandelt zwischen scheinbar kleinen Welten, die sich später jedoch als riesig entpuppen.

Der Welt um Bellville ist größer als man denkt. Die Menschen die hier leben gehören zu der Majorität des Landes. Die Lebensweise die man hier erfährt scheint die flächendeckenste in Südafrika zu sein. Im Kontrast dazu stehen die wunderschönen Vororte und Stadtteile von Kapstadt, sie scheinen riesig zu sein, monströs und impulsant. Diese jedoch sind im Vergleich zum Rest des Landes flächenmäßig eher klein und die Menschen die in ihnen wohnen gehören zur absoluten ethnischen Minderheit des Landes.

Südafrika nennt sich selbst Regenbogennation. Eine Vielfalt aus Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen, vereint auf einer geografischen Fläche. Sie alle sind mit einander verbunden, sind verknüpft und geben erst in ihrer Gemeinsamkeit einen Regenbogen. Betrachte ich einen Regenbogen in Natura so scheinen die Farben in ihm ineinander überzulaufen, sich zu vermischen und zu vereinen. Schaue ich jedoch auf das Bild eines Kindes welches einen Regenbogen malt, so sind die Farben häufig klar von einander getrennt, sie laufen parallel nebeneinander her. Berühren sich höchstens an den äußersten Stellen, doch vereinen sich nie. Beide zeigen dasselbe Bild, doch ihre Bedeutung und ihre Implikationen sind so verschieden wie es anderes nicht geht.

Ich frage mich, welche Art von Regenbogen hier in Südafrika existiert? Wenn ich mich in Kapstadt, Bellville oder Stellenbosch umschaue so muss ich leider feststellen, das wohl eher das kindliche Bild als geeignete Beschreibung dient. Zu häufig hatte ich das Gefühl das Leben, Aktivitäten, Bildung und Gesellschaft nur vereinzelt und in seltenen Fällen vermischt sind. Es existieren Parallelwelten in denen man sich hier bewegt. Im täglichen Leben so scheint mir, wird jedem und jeder Gruppe Respekt erwiesen, doch verbunden so sehe ich, fühlt man sich noch nicht.

Woran liegt das, frage ich mich? Vielleicht lässt sich die Frage ganz einfach beantworten wenn ich meine eigene Person betrachte. Ich lebe in einem Vorort mit einer Mehrheit an farbigen Menschen bzw. Kapmischlingen wie sie hier genannt werden. Ich gehe auf eine Universität, welche zu 90% von schwarzen und farbigen Studenten besucht wird. Ich bewege mich täglich in einer Welt in der mein Kontakt zu weißen Menschen auf die anderen internationalen Studenten beschränkt ist. Bewege ich mich in ihr, so hab ich das Gefühl dass ich dies frei tun kann und akzeptiert werde, jedoch und das finde ich merkwürdig, ist mein Gefühl nicht ganz rein. Ich merke, dass ich mich in einer Welt aufhalte die ich nicht gewohnt bin, die ich nicht kenne. Ich spüre es wenn ich mich mit anderen Studenten unterhalte, wenn ich anfange von meinem Leben zu erzählen, was ich mache, welche Interessen ich hege oder einfach nur welchen Vorlieben ich am Wochenende nachgehe.
Das sind Momente wo ich merke, dass erhebliche Unterschiede zwischen mir und dem Studenten aus Südafrika, Tanzania, Cameroon, Namibia, Mozambique oder Sambia existieren. Das man nicht annähernd dasselbe Leben führt bzw. einen ähnlichen Kulturkreis hat. Es ist für mich äußerst interessant in die Welt dieser Menschen einzutauchen, ihre Kultur und ihr Leben kennen zulernen, doch je mehr ich dies tue umso mehr stelle ich fest wie unterschiedlich doch das Leben ist.

Ganz intensiv wird dann dieses Gefühl wenn ich mich in Kreisen bewege die mir vielmehr vertraut sind. Mich in Gegenden aufhalte die von Menschen dominiert sind, die meinem Kulturkreis ähneln. Dies sind und da kann ich einfach nicht aus meiner Haut, die Gegenden der weißen Minderheit hier in Südafrika.

Ich genieße es zum Beispiel am Sonntag mit meinem Auto durch die Weinlandschaften im Hinterland von Kapstadt zu fahren und mir jene Orte anzuschauen, welche einem kleinen Dorf in Europa ähneln. Natürlich wohnen dort hauptsächlich nur Weiße und schwarze bzw. farbige Bewohner trifft man eher am Straßenrand, die für ein kleines Trinkgeld auf dein Auto aufpassen. Dieser Kontrast ist dann krass. Obwohl ich ihn genau bemerke, versuche ich ihn jedoch für einen kurzen Moment auszublenden, um durch die Straßen zu schlendern und es zu genießen bekanntes zu erleben.
Dann komme ich wieder zurück nach Bellville und an die Uni und merke, dass das was ich tags zuvor erlebt habe eine scheinbar große, aber wiederum doch nur eine ganz ganz kleine Welt im Mirkokosmos Südafrika ist. Das die Realität der überwiegenden Bevölkerung anderes aussieht. Das es nicht das Leben von Weinlandschaften, Restaurants und schönen Dörfern ist, sonder vielmehr der Gedanke an die Bezahlung der Studiengebühren, an einen guten Abschluss und einen festen Arbeitsplatz im Anschluss. Der Wunsch nach Luxusgütern aus unserer Welt ist für sie enorm, doch der Weg dort hin um einiges steiniger als für uns. Für diejenigen, für die viele Wege schon vorweg geebnet sind und nicht erst geglättet werden müssen.

Ich liebe die Art der Menschen die mich hier an der Uni umgeben, ich schätze die Gespräche welche ich mit ihnen habe und die Erfahrungen die ich mit Ihnen teilen darf. Doch ich komme aus einer anderen Kultur und fühle mich zu ihr auf lange Sicht hingezogen. In Südafrika so scheint es mir, kann ich mir vorerst nicht vorstellen auf die Dauer zu leben. Zu häufig wäre ich dann gezwungen die große dunkle Seite dieses Landes auszublenden und dazu bin ich nicht bereit!

Euer Sebastian

Monday, March 12, 2007

Die Form kommt mit der Tour

Vor ein paar Jahren, kurz vor Beginn der Tour de France, hatte Jan Ullrich einmal auf die Frage hin ob er nicht zu viele Kilos auf den Rippen hätte und überhaupt richtig in Form sei, geantwortet: Die Form kommt mit der Tour!
Ich fand diesen Spruch schon immer super und habe ihn auch bei jeder Gelegenheit kundgetan. Dieses Wochenende jedoch traf er unweigerlich perfekt auf mich selber zu. Kapstadt veranstaltet einmal im März, um genau zu sein letzten Sonntag, das größte Radrennen der Welt. The Cape Argus Pick’n Pay Cycle Tour. Als Randnotiz nur schnell: Cape Argus ist eine der größten Tageszeitungen hier und Pick’n Pay eine Supermarktkette.
Unüberbotene 38.000 Fahrradfahrer machen sich auf den Weg die exakt 109 Kilometer durch das Kap der Guten Hoffnungen zu bewältigen. Die Strecke führt von der Innenstadt über die Autobahn an den Indischen Ozean und von dort aus immer entlang am Rand des Kaps durch traumhaftschöne kleine verschlafene Ort an den Hängen der Kapberge und vorbei an Pinguinkolonien. Dann jedoch geht es landeinwärts über die ersten Berge hinüber auf die Atlantikseite, wo drei steile Anstiege und ein paar rasante Abfahrten auf den begeisterten Fahrradfahrer warten.

Ich hatte schon vor meinem Abflug von dem Rennen gehört, doch da die Veranstaltung so beliebt ist und sämtliche Plätze innerhalb von 19 Tagen vergeben waren, habe ich mich nicht weiter darum gekuemmert. Glücklicherweise habe ich zufällig dann doch der Homepage einen Besuch abgestattet und festgestellt, dass sich internationale Fahrer noch bis kurz vor dem Rennen anmelden duerfen. Dies hieß dann ja wohl ganz klar Bleistift gespitzt, Anmeldung abgeschickt und nach 7 Monaten mal wieder auf das Rad gesetzt. Dummerweise kam ich leider aufgrund von Erkältung und schlechtem Wetter nur zu einem einzigen Austritt über 60 Kilometer, so dass mein Motto hieß: Die Form kommt mit der Tour.

Um ehrlich zu sein hatte ich wahnsinnige Lust auf das Rennen, aber auch ein bisschen Muffensausen, denn ich bin die Strecke einige Wochen zuvor mit dem Auto abgefahren und wusste was mich da erwartet. Mit dem Vorsatz es ruhig angehen zu lassen und möglichst viele Verpflegungsstationen mitzunehmen habe ich mich dann am Sonntag um 5.30 aus dem Bett gequält und bin an den Start gegangen. Wer mich kennt weiß vermutlich schon was jetzt kommt: Die Vorsätze haben natürlich nicht lange gehalten. Als nach zwei Kilometern die ersten Jungs an mir vorbei flogen, konnte ich nicht widerstehen und bin hinterher. Aus den Jungs bildete sich eine Gruppe von ca. 6-10 Leuten und die hatte es in sich. Mit einem ordentlichen Schnitt sind wir dann die Autobahn runter und haben die Massen an anfeuernden Zuschauern an uns vorbei flitzen sehen. Unglaublich...
Das ganze Spielchen ging auch noch in den ersten Bergen ganz gut und ich konnte immerhin 70 Kilometer mithalten, doch dann hat es mir urplötzlich ganz kräftig die Schuhe ausgezogen. Die nächste und bis dahin erste Verpflegungsstation für mich, war zum Glück in greifbarer Nähe und die angrenzende Wiese auch gleich für mich reserviert. Nach kurzer Verschnaufpause und einigen Litern Powerrade ging es dann wieder und ich konnte mich an die eigentlichen Anstiege machen. Entweder war es mein Wasser oder schlechtes Essen was mich zum pausieren zwang, auf jeden Fall kam die Form wieder zurück und ich hatte meinen Spaß an den Bergen. Nach 109 Kilometer, Unmengen an Zuschauern, Straßenpartys an der Seite mit Kind und Kegel, Gogo-Tänzerin und diversen anderen Amüsements lag meine erste Cycle Tour nach knapp 4 Stunden hinter mir und ich war unendlich glücklich.

Mein Fazit: Ein unbedingtes Muss für jedermann wenn er im März in Kapstadt ist. Es macht vielleicht so gar noch ein bisschen mehr Spaß wenn man es wirklich ruhig angehen lässt. Dann hat man die Chance viele unglaublich lustige und interessante Menschen zu treffen, sich unterwegs massieren zu lassen und die sagenhaft schöne Landschaft zu genießen. Da ich dies vermutlich nie in meinem Leben schaffen bzw. durchhalten werde, klage ich an dieser Stelle auch nicht über meinen jetzigen Muskelkater.

Euer „Freizeit-Ulle“,

Seb

P.S.: Haette ich ja fast vergessen, der richtig "Ulle" ist ueberings auch mitgefahren. Er ist ein paar Gruppen vor mir gestartet, doch auch ohne seine Wunderpillen hatte ich keine Chance.



Kurz vor dem Start. Allein in meiner Startgruppe befanden sich ueber 800 Fahrer.

Ein paar Bilder

Der Blick auf die Students Hall auf dem Campus der University of the Western Cape.



Der Platz ist Treffpunkt fuer viele Studenten. Man kann sicher gehen, dass man dort immer jemanden zum Kaffetrinken findet!


AIDS Prevention wird gross geschrieben an der Uni. In jeder Toilette haengen diese Behaelter mit Kondome. Abseits davon kann man sich auch jederzeit auf AIDS/HIV testen lassen. Der Slogan lautet: Know your status!


Der Blick von Waterfront auf den hinter der Innenstadt liegenden Tafelberg.

Tuesday, February 20, 2007

Ein weiterer Anfang

Eine lange Zeit ist vergangen in der ich viele Emails von Euch bekommen habe und ihr mich gefragt habt, wie es mir hier unten wohl ergeht. Was ich mache und wie mein Tag momentan aussieht. Einigen von Euch konnte ich antworten, in kurzen knappen Sätzen, bei den meisten war es mir jedoch nicht möglich. Warum fragt ihr Euch sicherlich zu Recht. Ich saß häufig vor meinem Computer und wollte aufschreiben was mir widerfahren ist. Es war mir jedoch nicht vergönnt, zu viele Fragen waren offen und ungeklärt, so viele Dinge hatten sich noch nicht eingespielt und wo sollte ich da mittendrin anfangen zu erzählen? Sicherlich wäre allein dies schon eine Geschichte wert gewesen, doch kam ich nicht dazu…
Ich muss gestehen, dass im Vergleich zu meinem Aufenthalt in Australien mir der Anfang ein wenig schwerer fiel. Nicht nur der kurze Aufenthalt in Deutschland und das schnelle “Hallo” und “Tschüß” haben dazu beigetragen sondern auch die Bedingungen hier unten vor Ort.

Um es aber allem erst einmal vorweg zu nehmen, so kann ich ehrlich sagen, dass es mir hier unten sehr gut geht und ich mich so langsam eingewöhne. Wie soll es auch anders sein? Bei 25 Grad, Sonnenschein und einem schicken Strand in nicht allzu weiter Ferne. Aber auch hier scheint nicht immer die Sonne sondern neben Regenschauern (hin und wieder) gibt es auch Unterschiede zu unserem Leben in Deutschland. Ich wohne in Bellville, einem Vorort von Kapstadt, und benötige ca. 5 Auotminuten zur Uni bzw. 30 Minuten in die Stadt und seinem faszinierenden Tafelberg. Das Haus in dem ich wohne gehört einer Frau Anfang 50, die aufgrund von Diabetes und anderer (angeblicher Krankheiten) nicht arbeiten kann und dafür zu Hause bleiben und Sportkanal schauen muss. Um sich ein wenig den Lebensunterhalt zu verdienen vermietet sie Zimmer an Studenten für einen vergleichsweise horrenden Preis. Sie ist ein Kapmischling bzw. Coloured und musste während der Apartheid in dieses Viertel umziehen, da es für Coloured People reserviert war. Auch heute noch ässt sich diese Struktur erkennen, denn auf der Strasse trifft man eher Mischlinge als schwarze Südafrikaner. Die ersten Wochen hatte ich leider noch kein Auto, so dass ich zu Fuß bzw. mit Minibussen unterwegs war. Der südafrikanische Minibuss ähnelt ganz stark dem ghanaischen Trotro, lediglich mit dem Unterschied, das die Busse hier wesentlich neuer sind, dicke Schlappen mit glänzende Alu-Felgen drauf haben und ein Soundsystem installiert ist, mit welchem man eine ganze Großraumdisko beschallen kann. Leider sind sie jedoch nicht minder gefährlich wie ihr Pendant in Ghana, so dass von einer regelmäßigen Benutzung abzusehen ist. Des Weiteren birgen diese Busse auch die unglaubliche Gemeinheit, dass man nie sicher sein kann ob man auch da ankommt wo man hin will. Erst während der Fahrt erfährt der ortsunkundige Passagier, dass er im falschen Bus gelandet ist, denn der südafrikanische Fahrer knickt lediglich zustimmungsvoll bei jedem vorherigen erfragen des Zielortes und lässt dich einsteigen und bezahlen. Blöd wird es dann nur wenn einem das passiert was mir widerfahren ist. Als ich eigentlich nach Kapstadt wollte, landete ich 15 Minuten später in einem Township in dem ich sicherlich nicht aussteigen wollte. Gezwungenermaßen blieb mir jedoch nichts anderes übrig, so dass ich mit den Blicken der Bewohner auf mich gerichtet in den nächsten Minibuss rein bin, der mich dann nach kostenloser 45 minütiger Rundfahrt durch das Township, auf der Suche nach Fahrgästen, in Kapstadt sicher wieder rausgeschmissen hat.
Es ist mir an sich nichts passiert, aber was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass die Situation hier in Südafrika eine andere ist als in Ghana. Ich fühle mich nicht so sicher wie in Westafrika. Ich kann noch nicht sagen woran es liegt, ob es die Geschichten sind die man hier ständig vernimmt oder die Hinwiese und Ratschläge die man an jeder Ecke bekommt. Ich möchte hier nicht in den Kanon „Südafrika ist höchst gefährlich und pass ja an jeder Ecke auf“ einstimmen sondern ich fühle mich hier schon als freier Mensch, doch um das zu ermöglichen, so habe ich das Gefühl, sind ein paar Dinge mehr erforderlich als bei uns zu Hause. Ein Auto gehört sicherlich zu den wichtigsten Utensilien, denn hier sind nicht nur die Wege zu lang um sie zu Fuß zu meistern, sondern auch um nicht abends nach Sonnenuntergang zu Hause eingesperrt zu sein. Mein Haus in dem ich wohne liegt in einer recht großen Siedlung, in der man tagsüber sicherlich ohne Probleme zu Fuß unterwegs sein kann, doch abends ist das sicherlich anders. Ohne Auto war ich die ersten Tage abends zu Hause „eingesperrt“ und konnte außer lesen und früh schlafen gehen nichts unternehmen. Mittlerweile habe ich ein Auto gefunden und kann mich nun freier bewegen. Doch auch ein Auto zu finden ohne eins zu besitzen, in einer riesigen Stadt ohne ausreichende öffentliche Verkehrsmittel, ist nicht ganz einfach. Zum Glück hat eine norwegische Austauschstudentin ein Mietauto mit dem sie mir weiterhelfen konnte.
Des Weiteren ist da noch die Lage der Universität und meines Hauses. In Bellville und Umgebung ist nicht viel vorhanden. Hauptsächlich Industrie und Wohnhaussiedlungen die einem Studenten nicht sehr viel bieten. Der Campus jedoch ist fantastisch wie ich finde. Er ist sehr groß und bietet eine Fülle an Möglichkeiten, insbesondere wenn man Sport mag. Neben neuen Universitätsgebäuden mit kleinen Klassen, befindet sich noch ein eigenes Stadium mit Rundlaufbahn, Fitnessstudio, Tennisplätze, 4km Crossstrecke sowie ein Swimming Pool mit einem 10x50m Becken. Das schöne dabei ist: Es ist alles frei benutzbar und fast immer zugänglich. Ein Luxus den ich wirklich zu schätzen weiß. Des Weiteren befinden sich dann noch Unterkünfte für Studenten und eine kleine Bar, welche hauptsächlich an den Wochenende hoch frequentiert ist.
Alles in allem eine sehr schöne Atmosphäre, die einlädt neue und interessante Menschen kennen zu lernen sowie neben dem lernen Sport zu treiben. Abseits des Campus sind jedoch die Möglichkeiten ebenfalls beschränkt, so dass viele internationale Studenten es lieber vorziehen nach Kapstadt umzuziehen, um dann jeden Tag an die Uni zu fahren. Ich habe mich noch nicht entschieden was ich tun werde, denn ich will es davon abhängig machen wie häufig ich an der Uni präsent sein muss. Jeden Tag die Fahrt auf sich zu nehmen ist zum einen kostspielig sowie auch recht stressig, denn der kapstädtische Berufsverkehr ist nicht ganz ohne.

Und so verbringe ich meine Zeit hauptsächlich noch mit anderen internationalen Studenten aus Norwegen, Holland und Deutschland. Wir kämpfen uns gemeinsam durch den administrativen Dschungel der Uni und abends beim kochen erzaehlen wir uns dann die Kuriositaeten des Tages, an denen es hier definitiv nicht mangelt.
Viel habe ich leider noch nicht von Kapstadt gesehen, doch einen ersten Überblick von der Stadt und dem Kap konnte ich mir schon verschaffen. Um es in kurzen Worten zu sagen: Sagenhaft schön und gleichzeitig extrem ernüchternd.

Dazu jedoch das nächste Mal mehr. Ich hoffe ich konnte Euch einen ersten kleinen Einblick in mein Leben hier unten verschaffen und freue mich über jede Mail, jeden Kommentar (lässt sich am Ende dieses Berichtes schreiben) und jeden Anruf den ich bekomme.

Euer Sebastian

Wednesday, January 24, 2007

Herzlich Willkommen

Hier entsteht er also, der Blog ueber meine Erfahrungen in Suedafrika.
Ich wuensche Euch allen viel Spass und Freude beim lesen und freue mich ueber jeden Kommentar bzw. Mail die ich von Euch erhalte.

Liebe Gruesse aus dem sommerlich heissen Kapstadt

Sebastian